Zertifikatskurs Jugendhilfeplanung

Seit 1991 gibt es die Jugendhilfeplanung, eine anspruchsvolle Aufgabe für die kommunalen Jugendämter. Im SGB VIII wurde sie konzipiert als beteiligungsorientierte und wissensbasierte Fachplanung mit einem klaren Fokus auf die Interessen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Zahlreiche Elemente einer modernen Sozialplanung wurden hier bereits vor 20 Jahren in die Regelpraxis der Kommunalen Planung eingeführt, insbesondere die Beteiligung von Nutzern und Akteuren und Rolle der Kommune als Moderatorin eines kommunalpolitischen und fachpolitischen Steuerungsdiskurses. Auch die Idee einer integrierten Kommunalen Planung ist in diesem Konzept mit angelegt: Jugendhilfeplanung soll mit anderen kommunalen Fachplanungen verbunden werden. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Fachkräfte in diesem Aufgabenfeld vor allem in Bezug auf ihre Rolle und Aufgabe innerhalb der Kommunalverwaltung und im System der örtlichen Jugendhilfe.

Das ISA hat sich bereits vor dem Inkrafttreten des SGB VIII mit Fragen der Jugendhilfeplanung beschäftigt. Darauf aufbauend führt das Institut − seitdem die gesetzliche Planungsverpflichtung besteht − im gesamten Bundesgebiet Planungsprojekte durch und unterstützt die lokalen Akteure bei der Wahrnehmung ihrer Planungsverantwortung. Den Zertifikatskurs Jugendhilfeplanung führen wir seit 1997 gemeinsam mit dem ISS als Qualifikationsmaßnahme für Planungsfachkräfte in der Jugendhilfe durch.

Der 14. Kinder und Jugendbericht der Bundesregierung fordert, dass die Jugendämter »zu lokalen strategischen Zentren für Fragen des Aufwachsens« werden. Er weist darin der Jugendhilfeplanung eine zentrale Rolle zu Sie wird zunehmend mit der Strategieentwicklung in hochkooperativen Handlungsfeldern wie z. B. im Kinderschutz oder in der Zusammenarbeit zwischen dem Bildungs- und den Jugendhilfesektor betraut und wird somit ein bedeutender und kompetenter Akteur in der ressortübergreifenden kommunalen Planung. In der Praxis kann außerdem beobachtet werden, dass sie mit der Einführung von Instrumenten des Controllings, Berichtswesens, der Qualitätssicherung und der Weiterentwicklungen im Management öffentlicher Verwaltungen in die Steuerungsprozesse des Jugendamtes eingebunden wird.

Jugendhilfeplanung ist seit ihren Anfängen Netzwerkakteur. Sie agiert vielfach in nicht hierarchisch sondern kooperativ strukturierten Systemen (Netzwerken), in denen unterschiedliche Institutionen zusammenwirken. Im BuKischG wurde die Netzwerkarbeit im Kinderschutz zur Aufgabe des Jugendamtes erklärt, vielerorts übernimmt die Jugendhilfeplanung diese Aufgabe. Sie braucht deshalb ein Verständnis von der Funktion von Netzwerken und Kompetenzen im Netzwerkmanagement. In ähnlicher Weise arbeitet sie in sozialräumlichen Bezügen, hat also theoretisches Wissen und praktische Kompetenzen entwickelt, die in der Netzwerkarbeit gebraucht werden.

Vor diesem Hintergrund werden die Anforderungen an eine aktuelle Planungspraxis deutlich. Für eine Etablierung der Jugendhilfeplanung als unverzichtbares Planungs- und Steuerungsinstrument auf kommunaler Ebene ist es notwendig, dass sie Basisdaten vorhält, fortschreibungsfähige Datenkonzepte entwickelt und ein professionelles Berichtswesen erstellt. Zudem muss sie in der Lage sein, vernetzt zu planen und komplexe Kooperationsstrategien zu implementieren, zu moderieren und zu pflegen. Von den Planungsfachkräften wird erwartet, dass sie sowohl über sozialwissenschaftliche Kompetenzen verfügen, sich auskennen in der Welt der Kommunalverwaltung, fachlich sicher in der Jugendhilfe agieren können und besondere Kommunikative Fähigkeiten mitbringen.

Der hier vorgestellte Zertifikatskurs qualifiziert mit Blick auf die genannten Kompetenzen für die aktuelle Praxis der Jugendhilfeplanung. Er ist zukunftsorientiert ausgerichtet und vermittelt zielgruppenspezifisch die neusten fachlichen Standards und Anforderungen. Er nimmt einerseits Bezug auf die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen öffnet aber auch den Blick für aktuelle und zukünftige Entwicklungen in einem vielfältigen und anspruchsvollen Arbeitsgebiet. Ein Schwerpunkt der Qualifizierung liegt darüber hinaus in der intensiven Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit ihrer Rolle und ihren Aufgaben an ihrem Arbeitsplatz.

Das Angebot der Intensivausbildung besteht aus insgesamt 15 Seminartagen verteilt auf fünf Seminarblöcke (5 x 3 Tage). Zwischen den Seminarblöcken erledigen die TeilnehmerInnen themenspezifische Aufgaben. An drei Modulen wird es ein Zeitfenster für ein Rollencoaching mit erfahrenen Trainern geben, um die Arbeit vor Ort reflektieren zu können. Im Rahmen des Abschlusskolloquiums am Ende der Seminarreihe ist von jedem Teilnehmer/ jeder Teilnehmerin ein eigenes Planungsprojekt vorzustellen.

Das Konzept und die Seminarinhalte

Das Kurskonzept wurde in der langjährigen Geschichte der Qualifizierungsreihe ständig weiterentwickelt. Die Weiterbildung gliedert sich in 5 Seminarblöcke, die durch Beiträge von Experten aus Wissenschaft und Praxis mitgestaltet werden.
Die Veranstaltungen beginnen jeweils am ersten Tag um 13:00 Uhr und enden am letzten Tag um 13:00 Uhr.

Mitwirkende Expertinnen und Experten

  • Dr. Axel Iseke, Gesundheitsamt Münster
  • Manfred Stankat, Jugendamt Kreis Segeberg
  • Volker Kersting, Ruhr-Universität Bochum (ZEFIR)
  • Prof. Dr. Reinard Liebig, Hochschule Düsseldorf
  • Prof. Dr. Stefan Maykus, Hochschule Osnabrück
  • Dr. Jens Pothmann, Technische Universität Dortmund
  • Stefan Schmidt, Schmidt Evaluation
  • Prof. Dr. Christian Schrapper, Universität Koblenz
  • Wolfgang Kleemann, ISS Frankfurt/Main
  • Wolfgang Rüting, Jugendamt Kreis Warendorf, ISA e.V.
  • Ilona Heuchel, ISA e.V.

      Kursleitung

      Die fachliche Leitung der Fortbildung liegt bei Dr. Erwin Jordan (ISA Münster). Die fachliche Leitung ist bei allen Seminareinheiten anwesend.

      Voraussetzungen und Zielgruppe

      Die Fortbildungsreihe richtet sich in ihrer Kombination aus Basiswissen, Fachtheorie und Reflexion der Planungspraxis an Sozialpädagog(inn)en, Sozialarbeiter/innen, Diplom- Pädagog(inn)en und Sozialwissenschaftler/innen, die ihren beruflichen Fokus auf die Jugendhilfeplanung in Jugendämtern richten, erst relativ kurze Zeit in diesem Arbeitsbereich tätig sind und sich die erforderlichen Kenntnisse rasch und umfassend aneignen wollen bzw. nach einer längeren Zeit der Berufsausübung ihre Kenntnisse abrunden und auf den aktuellen Stand der fachlichen Entwicklung bringen wollen. Die kompakte Präsentation und Arbeitsweise ermöglicht es den Teilnehmer/ innen, die wesentlichen grundlegenden und aktuell praxisrelevanten Anforderungen an Jugendhilfeplanung schnell in ihre berufliche Praxis umzusetzen. Dabei werden unterschiedliche Ausgangslagen der Teilnehmer(innen) (z. B. Vorkenntnisse und Arbeitsschwerpunkte) in der Kursplanung berücksichtigt.
      Im Rahmen des Anmeldeverfahrens werden formalen Abschlüsse sowie berufliche Vorerfahrungen und die Tätigkeit im Arbeitsfeld Jugendhilfeplanung erfragt.

      Zulassungsvoraussetzungen

      Im Rahmen des Anmeldeverfahrens sind die formalen Abschlüsse sowie berufliche Vorerfahrungen und die Tätigkeit im Arbeitsfeld Jugendhilfeplanung nachzuweisen. Nach der Anmeldung erhalten alle Interessenten einen entsprechenden Fragebogen. Danach wird die Zulassung zum Kurs bestätigt.

      Qualifikationsverfahren / Zertifizierung

      Die erfolgreiche Teilnahme an der Seminarreihe wird durch ein Zertifikat bescheinigt, in dem die Inhalte der einzelnen Seminare sowie die eigenständigen Leistungen der Teilnehmenden aufgelistet sind. Voraussetzung für die Zertifizierung ist die durchgängige Teilnahme an allen Seminaren, die Bereitschaft zur Erledigung von Arbeitsaufträgen zwischen den Seminaren und die erfolgreiche Ausarbeitung und Präsentation eines Planungsprojektes im Rahmen des Abschlusskolloquiums.

      Methoden

      Fachvortrag, Gruppenarbeit, Werkstatt- und Praxisberichte, Übungsaufgaben.

      Teilnehmerzahl

      Es werden max. 20 Teilnehmende zugelassen. Bei mehr Anmeldungen entscheidet die fachliche Leitung über die Zulassung.

      Veranstaltungsort

      Alle Seminare finden im »Jugendgästehaus«, Silberstraße 24- 26, 44137 Dortmund statt. Die Teilnehmer(innen) sind im Tagungshaus in Einzelzimmern mit Dusche/WC untergebracht.

      Kosten

      Die Kursgebühr beträgt 2.950,– €.

      Tagungspauschalen

      Zusätzlich zur Kursgebühr werden folgende Kosten fällig: Verpflegung 479,- / Übernachtung 679,-. Die Übernachtung im Tagungshaus wird mit der Anmeldung für die gesamte Weiterbildung verbindlich gebucht. Die Buchung ohne Übernachtung ist nur für alle Seminarmodule möglich. Die Buchung ohne Tagungspauschale ist nicht möglich.

      Allgemeine Hinweise

      Die Kursgebühren, Fahrtkosten und zusätzlichen Aufwendungen sind als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen können unter bestimmten Voraussetzungen vom Bildungsscheck NRW Gebrauch machen. Durch den Bildungsscheck reduziert sich die Seminargebühr (nicht jedoch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung!). Nähere Informationen finden Sie unter www.bildungsscheck.nrw.de.

      Anmeldung

      Sie können sich für den Zertifikatskurs Jugendhilfeplanung ausschließlich online anmelden.

      Fortbildungsberatung

      Wir empfehlen Ihnen die Möglichkeit der Fortbildungsberatung. Ihre Ansprechpartnerin im ISA ist .

      Weitere Informationen:

      → Flyer herunterladen