Zertifikatskurs Jugendhilfeplanung – Qualifizierung für die Praxis

Die Kinder- und Jugendhilfe befindet sich in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess, in dem sie sich an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, an Veränderungen in den gesetzlichen Vorgaben und an die sich wandelnden Lebenslagen und Bedarfe ihrer Adressaten anpasst. Für das Gelingen dieses Anpassungsprozesses ist zu einem wesentlichen Teil die Jugendhilfeplanung verantwortlich. Sie unterstützt diese Weiterentwicklung in einem kommunikativen Prozess auf der Basis von sozialwissenschaftlichen Methoden. Nach § 80 SGB VIII obliegt diese Aufgabe den öffentlichen Jugendhilfeträgern und wird in der Regel von Planungsfachkräften hauptverantwortlich wahrgenommen.

Das Institut für Soziale Arbeit e. V. (ISA Münster) hat sich bereits vor dem Inkrafttreten des SGB VIII mit Fragen der Jugendhilfeplanung beschäftigt. Seitdem die gesetzliche Planungsverpflichtung besteht führt das Institut im gesamten Bundesgebiet Planungsprojekte durch und unterstützt die lokalen Akteure bei der Wahrnehmung ihrer Planungsverantwortung. Den Zertifikatskurs Jugendhilfeplanung bietet das ISA seit 1997 gemeinsam mit dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS Frankfurt/Main) als Qualifikationsmaßnahme für Planungsfachkräfte in der Jugendhilfe an.

Die Bedeutung der Jugendhilfeplanung für die Gestaltung der Jugendhilfelandschaft hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Der 14. Kinder und Jugendbericht der Bundesregierung fordert, dass die Jugendämter »zu lokalen strategischen Zentren für Fragen des Aufwachsens« werden. Er weist darin der Jugendhilfeplanung eine zentrale Rolle zu. Sie wird zunehmend mit der Strategieentwicklung in hochkooperativen Handlungsfeldern wie z. B. im Kinderschutz oder in der Zusammenarbeit zwischen dem Bildungs- und Jugendhilfesektor betraut und wird somit ein bedeutender und kompetenter Akteur in der ressortübergreifenden kommunalen Planung. In der Praxis kann beobachtet werden, dass sie mit der Einführung von Instrumenten des Controllings, Berichtswesens, der Qualitätssicherung und der Weiterentwicklungen im Management öffentlicher Verwaltungen vielerorts mehr in die Steuerungsprozesse des Jugendamtes eingebunden wird.

Jugendhilfeplanung ist seit ihren Anfängen Netzwerkakteur. Sie agiert vielfach in nicht hierarchisch sondern kooperativ strukturierten Systemen (Netzwerken), in denen unterschiedliche Institutionen zusammenwirken. Im BKischG wurde die Netzwerkarbeit im Kinderschutz zur Aufgabe des Jugendamtes erklärt, vielerorts übernimmt die Jugendhilfeplanung diese Aufgabe. Sie braucht deshalb ein Verständnis von der Funktion von Netzwerken und Kompetenzen im Aufbau und in der Steuerung von Netzwerken. Damit schließt sie an die sozialräumliche Ausrichtung an, die schon seit den Anfängen ein wichtiges Paradigma der Planung ist. Sie hat deshalb theoretisches Wissen und praktische Kompetenzen entwickelt, die in der Netzwerkarbeit gebraucht werden.

Vor diesem Hintergrund werden die Anforderungen an eine aktuelle Planungspraxis deutlich. Für eine Etablierung der Jugendhilfeplanung als unverzichtbares Planungs- und Steuerungsinstrument auf kommunaler Ebene ist es notwendig, dass sie systematische Basisdaten vorhält, fortschreibungsfähige Datenkonzepte entwickelt und ein professionelles Berichtswesen erstellt. Zudem muss sie in der Lage sein, vernetzt zu planen und komplexe Kooperationsstrategien zu implementieren, zu moderieren und zu pflegen. Der Zertifikatskurs qualifiziert für die aktuelle Praxis der Jugendhilfeplanung, ist zukunftsorientiert ausgerichtet und vermittelt zielgruppenspezifisch die neuesten fachlichen Standards und Anforderungen. Er nimmt einerseits Bezug auf die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, öffnet aber auch den Blick für aktuelle und zukünftige Entwicklungen in einem vielfältigen und anspruchsvollen Arbeitsgebiet.

Das Angebot der Intensivausbildung besteht aus insgesamt 14 Seminartagen verteilt auf fünf Seminarblöcke (3 x 3 Tage / 2 x 4 Tage). Zwischen den Blöcken erledigen die Teilnehmenden themenspezifische Aufgaben. Im Rahmen des Abschlusskolloquiums ist von jeder Teilnehmerin / jedem Teilnehmer ein eigenes Planungsprojekt vorzustellen.

Zusätzlich zu den Seminarveranstaltungen wird den Teilnehmenden ein Einzelcoaching vor Ort an ihrem Arbeitsplatz angeboten. Die beiden fachlichen Leiter stehen als Coach zur Verfügung. Dieses Modul kann gesondert gebucht werden, die Inanspruchnahme gehört nicht zu den Voraussetzungen für die Zertifizierung.

Das Konzept und die Seminarinhalte

Das Kurskonzept wurde in der fast 10-jährigen Geschichte der Qualifizierungsreihe ständig weiterentwickelt. Es basiert einerseits auf der Planungserfahrung der beiden beteiligten Institute und andererseits auf den aktuellen Praxisanforderungen, die an Planerinnen und Planer in den Jugendämtern gestellt werden.

Die Weiterbildung gliedert sich in fünf Seminarblöcke. Die Veranstaltungen beginnen jeweils am ersten Tag um 13:00 Uhr und enden am letzten Tag um 13:00 Uhr.

Mitwirkende Experten

Neben der fachlichen Leitung wirken unter anderem folgende Personen an der Weiterbildung mit:

  • Dr. Remi Stork, Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe
  • Andreas Hopmann, LVR Landesjugendamt Köln
  • Sandra Fendrich, TU Dortmund
  • Dr. Erwin Jordan, ISA Münster
  • Volker Kersting, Stadt Mülheim/Ruhr
  • Benjamin Landes, ISS Frankfurt/Main
  • Prof. Dr. Stefan Maykus, Universität Osnabrück
  • Dr. Jens Pothmann, TU Dortmund
  • Prof. Dr. Reinhold Schone, Fachhochschule Münster

Leitungsteam

Die fachliche Leitung der Fortbildung liegt bei Johannes Schnurr (ISA Münster) und Wolfgang Kleemann (ISS Frankfurt/Main). Die fachliche Leitung ist bei allen Seminareinheiten anwesend.

Voraussetzungen und Zielgruppe

Die Fortbildungsreihe richtet sich in ihrer Kombination aus Basiswissen, Fachtheorie und Reflexion der Planungspraxis an Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Diplom-Pädagoginnen und -Pädagogen sowie Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die ihren beruflichen Fokus auf die Jugendhilfeplanung in Jugendämtern richten, erst relativ kurze Zeit in diesem Arbeitsbereich tätig sind und sich die erforderlichen Kenntnisse rasch und umfassend aneignen wollen, bzw. nach einer längeren Zeit der Berufsausübung ihre Kenntnisse abrunden und auf den aktuellen Stand der fachlichen Entwicklung bringen wollen. Die kompakte Präsentation und Arbeitsweise ermöglicht es den Teilnehmenden, die grundlegenden und aktuell praxisrelevanten Anforderungen an Jugendhilfeplanung schnell in ihre berufliche Praxis umzusetzen. Dabei werden unterschiedliche Ausgangslagen der Teilnehmenden (z. B. Vorkenntnisse und Arbeitsschwerpunkte) in der Kursplanung berücksichtigt.

Zulassungsvoraussetzungen

Im Rahmen des Anmeldeverfahrens sind die formalen Abschlüsse sowie berufliche Vorerfahrungen und die Tätigkeit im Arbeitsfeld Jugendhilfeplanung nachzuweisen. Nach der Anmeldung erhalten alle Interessenten einen entsprechenden Fragebogen. Danach wird die Zulassung zum Kurs bestätigt.

Qualifikationsverfahren / Zertifizierung

Die erfolgreiche Teilnahme an der Seminarreihe wird durch ein Zertifikat bescheinigt, in dem die Inhalte der einzelnen Seminare sowie die eigenständigen Leistungen der Teilnehmenden aufgelistet sind. Voraussetzung für die Zertifizierung ist die durchgängige Teilnahme an allen Seminaren, die Bereitschaft zur Erledigung von Arbeitsaufträgen zwischen den Seminaren und die erfolgreiche Ausarbeitung und Präsentation eines Planungsprojektes im Rahmen des Abschlusskolloquiums.

Einzelcoaching

Als zusätzliche Qualifizierungsoption wird den Teilnehmenden ein Einzelcoaching (3 Stunden) vor Ort an ihrem Arbeitsplatz angeboten. Durchgeführt von den beiden fachlichen Leitern hat es zum Ziel, die Teilnehmenden in der Umsetzung von Planungsvorhaben in den örtlichen Planungsstrukturen zu beraten und sie in der Entwicklung ihrer spezifischen Funktionen und des individuell geforderten Aufgabenprofils zu unterstützen.

Methoden

Fachvortrag, Gruppenarbeit, Werkstatt- und Praxisberichte, Übungsaufgaben.

Teilnehmerzahl

Es werden max. 20 Teilnehmende zugelassen. Bei mehr Anmeldungen entscheidet die fachliche Leitung über die Zulassung.

Veranstaltungsort

Alle Seminare finden im Liudgerhaus, Überwasserkirchplatz 3, 48143 Münster statt. Die Teilnehmenden sind im Tagungshaus (EZ mit Dusche/WC) untergebracht.

Kosten

Die Kursgebühr beträgt 2.850,– €. Wird ein Einzelcoaching – nach Absprache – hinzugebucht, erhöht sich die Kursgebühr um 500,– € und wird gesondert in Rechnung gestellt.

Zahlungsmodalitäten

Nach Zulassung werden 850,– €, weitere 500,– € im Dez. 2014 und 1.500,– € im Mai 2015 fällig. Andere Modalitäten
können mit dem ISA abgestimmt werden.

Tagungspauschalen

Zusätzlich zur Kursgebühr werden folgende Kosten fällig: Verpflegung 395,– €, Übernachtung 445,– €. Die Übernachtung im Tagungshaus wird mit der Anmeldung für die gesamte Weiterbildung verbindlich gebucht. Die Buchung ohne Übernachtung ist nur für alle Seminarmodule möglich. Die Buchung ohne Tagungspauschale ist nicht möglich.

Allgemeine Hinweise

Die Kursgebühren, Fahrtkosten und zusätzlichen Aufwendungen sind als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen können unter bestimmten Voraussetzungen vom Bildungsscheck NRW Gebrauch machen. Durch den Bildungsscheck reduziert sich die Seminargebühr (nicht jedoch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung!). Nähere Informationen finden Sie unter www.bildungsscheck.nrw.de.

Anmeldung

Sie können sich für den Zertifikatskurs Jugendhilfeplanung ausschließlich online anmelden.

Fortbildungsberatung

Wir empfehlen Ihnen die Möglichkeit der Fortbildungsberatung. Ihr Ansprechpartner im ISA ist .

Weitere Informationen:

> Ausschreibung als PDF